Geschichte

Entstehung und Geschichte des Vereins

Ohme Karl 1949
Ohme Karl 1949

In Oberkrüchten gab es einen ehemaligen Militärmusiker mit Namen Karl Heinrichs. Er spielte schon seit längerem jedes Jahr zu Weihnachten im Dorf. Irgendwann fragten ihn ein paar Eltern, ob er nicht ihren Kindern das Musizieren beibringen könnte. Da Karl Heinrichs mit Leib und Seele Musiker war, stimmte er begeistert zu. So kam es im Frühjahr 1949 zur Entstehung des Musikvereins. Der Verein setzte sich aus 10 – 12 jährigen Schülern des letzten und vorletzten Schuljahres zusammen.

Die ersten Musikschüler waren:
Gotfried Davids, Bassist
Michael Coenen, Piston
Franz – Josef Meyers, Tenorhorn
Laurentz Gisbertz, Alt Horn
Heinz Zimmermanns, Flügelhorn
Bernd Heizer, Trompete
Heinz Consoir, Es Horn
Theo Hohenforst, B Klarinette

Karl Heinrichs schaute sich seine Schüler an und bestimmte dann, wer welches Instrument erlernen sollte. Diese Instrumente kauften sich die meisten dann selber. Noten mußten sich beim Musikverein Waldniel geliehen werden und wurden auch oft mühevoll per Hand abgeschrieben.
Die ersten Proben wurden bei Herrn Heinrichs zu Hause abgehalten. Alle acht Schüler trafen sich dann in dem kleinen Haus im Winkel. Geprobt wurde im Wohnzimmer, und man mußte schon recht eng beisammen rücken, damit alle mit Ihren Instrument Platz hatten. Jeder mußte dann seine Übungen nacheinander vorspielen und „Ohme Karl“ ,wie ihn seine Schüler nannten; hörte aufmerksam zu, berichtigte und lobte. Und immer wieder ermunterte Karl seine Schüler: Ihr müßt frei weg spielen, wodurch der Verein dann auch seinen Namen erhielt.

Manchmal mußte der Dirigent auch mal etwas vorspielen, wenn etwas nicht klappte. Dazu nahm er sich dann das Instrument des entsprechenden Schülers. Das allerdings fanden die Jungens nicht so toll, denn Karl rauchte Pfeife. Er legte dann seine Pfeife zur Seite, spielte und drückte dann dem Jungen das Instrument wieder in die Hand. Die Jungs trauten sich nicht, das Mundstück abzuwischen und mußten den Pfeifengeschmack beim Spielen ertragen. Dadurch waren die Schüler natürlich auch motiviert viel zu Üben, denn sie wollten ja nicht, daß Herr Heinrichs auf Ihrem Instrument spielte. So ging es einige Zeit recht gut voran und die Jungs wurden älter, womit noch ein neuer Grund zum regelmäßigen Probenbesuch anspornte. Denn Herr Heinrichs hatte zwei recht hübsche Töchter und die Jungs begannen, sich für die Mädchen zu interessieren. Manchmal mußte dann der Dirigent energisch dazwischen fahren, denn einigen der Jungs interessierten die Mädchen mehr als die Musik.
Später, ca 2 – 3 Jahre, wurden dann die Proben in die Gaststätte Tillmanns verlegt, wo man sich jeden Donnerstag traf. Oftmals ging es bis in die frühen Morgenstunden, wobei auch reichlich Schnaps getrunken wurde. Das fanden die Eltern dann nicht mehr so gut und wollten die Jungens nicht mehr zur Probe gehen lassen. Doch die Jungen schafften es trotz allem immer wieder in die Gaststätte. Das erstemal, wo man sich im Dorf vorstellte, war in der Gaststätte Wynands. Der erste offizielle Auftritt war dann mit Fronleichnahm, wo man sogar bis nach Boscherhausen laufen mußte. Dann im Jahre 1953 veranstaltete der Musikverein einen Tanzabend, der gut besucht wurde und man auch das erste „große Geld“ einnahm. Jetzt, wo es mehr und mehr zu organisieren gab, und den ersten Einnahmen auch Ausgaben folgten, mußte ein Vorstand gewählt werden. Dieser Vorstand sollte sich aus folgenden Ämtern zusammen setzen:
dem Vorsitzenden, dem Schriftführer und einem Kassierer.

Ab 1954 begann man, auf Schützenfesten zu spielen. Dadurch wurde der Verein immer bekannter und man konnte mit den zusätzlichen Einnahmen neue Instrumente und andere Unkosten bezahlen. Die Marschmusik lag den Musikern von Anfang an im Blut, was aber auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, daß der Dirigent ein „alter“ Militärmusiker war. Aber 1957 wollte man dann beweisen, daß man auch andere Arten von Musik machen kann. Das erste Konzert wurde im Saal Tillmanns veranstaltet. Es wurden Walzer, Ouvertüren, ein Choral und natürlich auch Märsche gespielt. Sogar eine Zugabe wurde verlangt und der ein oder andere Leser kennt diese Zugabe sicherlich, denn es handelt sich um den Marsch: “Alte Kameraden“, der auch heute noch zu unseren Frühjahrskonzerten gehört. Diese Tradition, jedes Jahr ein Konzert zu veranstalten, hat sich bis heute immer fortgesetzt.

_wsb_487x317_1958_k1958 hatte der Verein schon 14 Mitglieder plus dem Dirigenten Karl Heinrichs und beim Konzert 1960 waren es 15 Mitglieder. Dieses Konzert sei noch einmal besonders erwähnt, weil man einen großen Artikel in der Zeitung darüber schrieb. Originaltext: Frei weg war auch diesmal das Leitwort. Oberkrüchtener Instrumentalverein bot in einem Konzert wieder neue Leistungen.

Der Instrumentalverein „Frei-weg“ Oberkrüchten erfreut sich von Jahr zu Jahr wachsender Beliebtheit. Der Verein, der im Jahre 1951 von einigen Volksschülern ins Leben gerufen wurde, hat aber auch von Jahr zu Jahr seine Leistungen wesentlich steigern können.

Dies bedingte, daß er auch immer mehr an Mitgliedern gewann. Im Jahre 1957 veranstaltete der Verein sein erstes öffentliches Konzert und seitdem gehören seine Konzerte zu den Veranstaltungen des Winters. Auch diesmal hatten wieder viele Dörfler den Weg zum Instrumentalverein gefunden, als er sein Können demonstrierte.

15 Instrumentalisten zeigten unter der Leitung von Karl Heinrichs, was sie zu leisten imstande sind. Das vorwiegend auf Marsch- und Tanzmusik eingefahrene Orchester hielt sich auch jetzt an diese Art der Unterhaltungsmusik. Man muß den Instrumentalisten zugestehen, daß sie Stücke ausgewählt hatten, die zum Teil recht erhebliche Anforderungen an das technische Können der Mitwirkenden stellten. Dies gilt vor allem von den Märschen “Regimentsgruß“, „Graf Zeppelin“; „Ein Mann ein Wort“ und „Sport und Spiel“. Der Walzer „Über den Wellen“ in konzertanter Aufmachung und die Stücke „Blumenlied“ und „Abenddämmerung“ mögen sonst noch aus der Vortragsfolge als in der Wiedergabe besonders gelungen herausgegriffen werden. Zu der gesamten Veranstaltung ist zu sagen, daß ihr Wert weniger in der Wiedergabe einer künstlerich wertvollen Vortragsfolge besteht. Vielmehr zeigte sich bei diesem Konzert die Tatsache, daß der Instrumentalverein eine besondere Aufgabe hinsichtlich der Belebung von gemeinschaftsfördenden Werten erfüllt. Es ist mittlerweile schon zu einer feststehenden Tatsache geworden, daß in Oberkrüchten kein Fest mehr ohne die Mitwirkung des Instrumentalvereins begangen wird. Es ist aber ebenso bereits eine Erfahrungstatsache, daß immer dann, wenn der Instrumentalverein zu irgendeiner Veranstaltung aufspielt, die Einheimischen angesprochen fühlen und bereit sind, sich zur größeren Dorfgemeinschaft zu bekennen. Auch diesmal wurde dem Instrumentalverein der herzliche Beifall der Besucher zuteil.

1962 wurden die Proben in das Lokal von Josef Meyers verlegt, das damit auch neues Vereinslokal wurde. Musikalisch zog man immer weitere Kreise, bis nach Erkelenz und Hückelhoven wurde der Verein mittlerweile verpflichtet. Doch nach all den Jahren des Aufwärtsstrebens kam es 1963 zu einem Einbruch. Kurz nacheinander verließen mehrere Musiker den Verein, so daß man über ein Auflösen des Vereins nachdenken mußte. Doch alle verbliebenen Mitglieder wollten den Verein unbedingt am Leben erhalten, auch wenn man den Verpflichtungen dann mit Aushilfsmusikern, die natürlich auch Geld bekamen, nachkommen mußte.

Im Februar 1964 jedoch kamen wieder einige der vorher ausgetretenen Musiker zurück und der Verein konnte zusätzlich noch drei Neuzugänge verzeichnen. Die Neuen mußten natürlich erst noch angelernt werden, aber man merkte, daß es wieder aufwärts ging. Auch mit dem neuen Dirigenten, Herrn Jakob Mook, der erstmals am 30.10 1964 die Probe leitete, setzte sich der Aufwärtstrend fort. Das konnte der Instrumentalverein auch eindrucksvoll am 27. Mai 1965 unter Beweis stellen. Man hatte sich erstmals zu einem Musikwettstreit angemeldet. Der Wettstreit fand im niederländischen Beringen statt. Es waren sechs Musikvereine anwesend (noch ein deutscher Verein aus Leuterheide) und der Oberkrüchtener Musikverein schaffte es tatsächlich, den ersten Preis in diesem musikalischen Wettbewerb zu erringen. 2 Jahre später, am 15.01.1966, sollte es unseren Musikern noch einmal gelingen, bei einem Wettstreit den ersten Platz zu belegen. Diesmal fand die Veranstaltung in Heythuisen in den Niederlanden statt. Und die Zahl der Konkurrenten war mit sieben etwas größer geworden. Doch trotz allem konnten die Musiker wieder mit einem Pokal und einem Diplom nach Hause fahren. Das war wohl besonders dem Umstand zu verdanken, daß der Verein sich mit den Stücken: “Fallada Ouvertüre“ und der „Slava Fantasie“ etwas musikalisch schwierigere Stücke vorgenommen hatte als die Konkurrenz.

Die Mitgliederzahl war bis jetzt immer in etwa gleich geblieben, doch 1968 schaffte man es, direkt 8 Jugendliche auf einmal in den Verein zu bekommen. Dieser Erfolg konnte verbucht werden, indem man sich direkt mit der Schule in Verbindung setzte, und dort den Jugendlichen die Musik näherbrachte. Somit konnte im Dezember 1968 der erste öffentliche Auftritt mit dem Nachwuchs gemacht werden. Und so stellte sich der Verein mit 17 Mann der Öffentlichkeit. Doch nach diesen recht guten Jahren des Vereines bahnte sich im März 1969 eine Krise an. Ein Teil der Mitglieder spaltete sich vom Verein ab und ging zum Proben in ein anderes Lokal. Trotz vieler Zusammenkünfte und Diskussionen konnte vorerst keine Einigung erzielt werden und es gab zwei Musikvereine in Oberkrüchten.

Im Juni 1969 versuchten der Pastor, der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat, die beiden Vereine wieder zusammenzubringen, besonders im Hinblick auf Fronleichnahm, da dieses Kirchenfest immer durch den Musikverein mitgestaltet wurde. Doch auch dieser Versuch scheiterte, so daß es sogar so weit kam, daß sich der Instrumentalverein „Frei-weg“ an einen Rechtsanwalt wenden mußte. Man wollte mit Hilfe des Rechtsanwaltes erreichen, daß der andere Verein „Einigkeit“ die Instrumente und Noten des Vereins „Frei-weg“ wieder zurück gab. Dies hatten die Mitglieder des Vereines „Einigkeit“ bis dahin trotz mehrfacher Aufforderungen nicht getan. 10 Monate dauerte jetzt schon die Spaltung des Vereines „Frei-weg“ und jetzt endlich, nach neuen Gesprächen unter den einzelnen Mitgliedern beider Vereine, wurde sich wieder zusammengerauft. Die Anwälte konnten benachrichtigt werden, daß man sie nicht mehr brauchte und es konnte am 15.März 1970 endlich wieder die erste gemeinsame Probe stattfinden.

_wsb_545x408_1971_kNun ging es mit dem Instrumentalverein „Frei-weg“ Oberkrüchten wieder bergauf. Es meldete sich auch gleich wieder ein neues Mitglied an. So konnte man dann das Schützenfest in Oberkrüchten im April 1970 sogar mit 21 Musikern bestreiten. Auch hatte jetzt jeder eine Uniform. Bis dahin war immer noch größtenteils im schwarzen Anzug gespielt worden. Beim Vogelschuß, im Oktober des gleichen Jahres, schaffte es dann ein Vereinsmitglied (Jan Kocks), gewollt oder ungewollt (es wird bis heute noch darüber spekuliert), den Vogel abzuschießen. Damit stellte der Musikverein zum ersten und bis jetzt auch zum letzten Mal den Schützenkönig.

Im November konnten dann, in Zusammenarbeit mit der Hauptschule Niederkrüchten, zwei neue Schüler gewonnen werden. Im gleichen Monat übernahm ein neuer Dirigent die musikalische Leitung. Es war Herr Ludwig Daniels aus Bracht. Das erste Konzert unter seiner Leitung fand im April 1972 statt. Als der Verein sein 25jähriges Bestehen mit einem großen Gemeinschaftskonzert in der Schwalmtalhalle feierte, konnte Herr Daniels leider nicht dirigieren. Er wurde an diesem Abend von dem niederländischen Dirigenten Herrn Deneer vertreten. Herr Deneer war der damalige Dirigent vom Musikverein „Eendracht maakt Macht“ aus Wessem. Der Musikverein aus Wessem bestritt an diesem Abend den 2. Teil des Konzertes. Obwohl Herr Daniels im Krankenhaus lag, hatte er sich an diesem Abend aus seinem Krankenzimmer geschlichen, um das Konzert seines und natürlich auch des niederländischen Vereines zu hören.

Mit der Oberkrüchtener Frühkirmes vom 11. – 14. Mai 1974 feierte „Frei-weg“ sein 25jähriges Bestehen im Dorf. Es wurden ein Festbankett und ein Umzug durch den Ort abgehalten, an dem sehr viele befreundete Vereine teilnahmen.
In den folgenden Jahren kamen immer wieder neue Jugendliche in den Verein, um diesen zu stärken, aber natürlich verließen auch immer wieder welche den Verein. In der darauffolgenden Zeit wurde Herr Daniels krank und mußte mehrmals ins Krankenhaus, dadurch litten die Proben und man befürchtete, die Konzerte und andere Veranstaltungen absagen zu müssen, doch irgendwie ging es dann doch immer weiter. Das war auch bestimmt dem Umstand zu verdanken, daß Herr Daniels sich des öfteren vom Krankenhaus für die Proben beziehungsweise für das Wochenende beurlauben ließ.
Es wurden auch weiterhin an vielen verschiedenen Orten Schützenfeste gespielt, an denen man mittlerweile mit 26 Musikern auftreten konnte. Die Oberkrüchtener Musiker waren zu diesen Anlässen immer sehr gerne gesehen, da Marschmusik immer noch Ihre „Spezialität“ war. Aber auch die konzertante Musik wurde weiterhin gepflegt. Das beweist eindrucksvoll das Konzert am 12. Januar 1980 in der Schwalmtalhalle in Niederkrüchten. Es war ein hervorragendes Konzert und auch die Zeitungen waren voll des Lobes.

Es war zu lesen: „Großer Erfolg für Frei-weg“; „Zu einem überragenden Erfolg gestalteten die Musiker des Instrumentalvereines Frei-weg ihr Neujahrskonzert.“, „Musik ist Trumpf, bei den Oberkrüchtener Musikern“.
Im März 1982 zeichnete sich eine neue Wende im Verein ab. Es wurde mit Herrn Harry Adams aus Wessem ein neuer Dirigent verpflichtet. Man kannte Herrn Adams aus dem Musikverein „EMM“ Wessem, zu dem man schon lange ein freundschafliches Verhältnis hatte. Auf Anregung des neuen Dirigenten wurde als erstes eine Kampagne gestartet, um Jugendliche für das Klarinette spielen zu begeistern. Zu einem ersten Treffen mit interessierten Kindern kam es am 26.05.1982 im Vereinslokal Wynands, das mittlerweile den Verein seit 1980 beherbergte. Es waren 6 Kinder mit Ihren Eltern gekommen. Am 11.06.1982 war dann die erste Probe und die Zahl der Schüler steigerte sich noch bis auf zwölf. Diese Proben fanden seit dem 04.06.1982 im Keller der Grundschule statt, da dies nun der neue Probenraum des Musikvereines war.

Das erste Konzert unter Leitung von Herrn Adams fand am 08.01.1983 im Bürgerhaus in Elmpt statt. Besondere Aufmerksamkeit erregte wohl das Dirigat von Herrn Adams, da man in einem Zeitungsartikel aus dieser Zeit lesen konnte: “Von H. Adams mit Engagement und oft theatralischen Bewegungen dirigiert, . . .“
Auch in der Stilrichtung der Musik gab es mit dem neuen Dirigenten eine leichte Änderung, die jetzt mehr in Richtung klassicher Musik geht. Dies konnte man schon beim 2. Neujahrskonzert merken, wo sogar Teile aus der Oper „Aida“ vorgetragen wurden. Im Juni des Jahres 1984 wurden die Umbauarbeiten am Pfarrheim beendet und der Musikverein konnte seine Proben jetzt dorthin verlegen, wo er am 24.08 seine erste Probe abhielt. Die Ausbildung der Jugendlichen zeigte auch erste Erfolge. 1986 nahmen sie an einem Solistenwettbewerb in Wessem (NL) teil und starteten dort zwar in der untersten Kategorie, doch konnten sie gut abschneiden. Die beste Schülerin wurde sogar Zweite von allen angetretenen Solisten. Doch obwohl es neue Jugendliche gab, die Interesse am Musikverein hatten, und man noch viele erfahrene Kräfte hatte, wurde der Probenbesuch immer weniger und unser Dirigent drohte sein Amt niederzulegen. Aber auch diese Krise konnte wieder gemeistert werden und der Verein arbeitete mit neuer Kraft weiter. Es ging wieder bergauf und man kann das Konzert auf der Bundesgartenschau am 15.08.1987 als einen neuen Höhepunkt bezeichnen.

Sogar über die Grenzen hinaus machte der Instrumentalverein Oberkrüchten sich im Jahr 1988 bekannt. Er fuhr zu einem Oktoberfest nach Spanien. Der Ort hieß Calella an der Costa Brava. Es waren noch sechs andere Vereine aus ganz Deutschland anwesend und man spielte zusammen oder an verschiedenen Plätzen im Ort. Unser Musikverein spielte sich wohl an einem Abend im Festzelt ganz besonders in die Herzen des Publikums. Auf einer Bühne im Zelt wechselten sich die Vereine ab und als „die Oberkrüchtener“ spielten, fiel plötzlich mitten in einem Stück der Strom aus. Es wurde zappenduster im Zelt, doch der Verein ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und beendete das Stück, aber der Höhepunkt war, daß danach ein neues Stück im Dunkeln begonnen wurde und das Publikum das mit einem tosenden Applaus belohnte.
Nach diesem Ausflug ins Ausland wartete zu Hause wieder viel Arbeit auf den Verein. Der Verein konnte sich den Speicher im Pfarrheim Oberkrüchten zur eigenen Nutzung umbauen. Die erste Probe in unserem neuen Probenraum fand am 04.09.1989 statt. Und bis heute ist dieser Raum dem Verein ein regelrechtes zu Hause geworden. Dann folgte am 15.10.1989 die Feier zu unserem 40jährigen Vereinsbestehen. Diese Feier wurde mit einem Kirchgang begonnen, danach gab es einen großen Festzug mit vielen befreundeten Vereinen durch Oberkrüchten zum Schulhof. Dort wurde dann bei Bier, Erbsensuppe und Kuchen gut gefeiert. Am 10.09.1990 wurde eine außerordentliche Mitgliederversammlung abgehalten, mit dem Ziel, eine neue Satzung zu verabschieden. Das wurde nötig weil der Verein die Gemeinnützigkeit anstrebte. Dies wurde auch erreicht und man konnte sich eintragen lassen.

Bald (1992) kam es wieder einmal zu einer Krise und unser Dirigent H. Adams wollte sein Amt niederlegen. Auf einer besonderen Versammlung, an der alle Mitglieder und auch die Eltern aller Jugendlichen teilnahmen, konnte das noch einmal abgewendet werden. Die Zahl der Jugendlichen hatte sehr zugenommen und es kam zu einer Alters- und natürlich auch zu einer Intressenskluft im Verein. Dieser Trennung mußte jetzt verstärkt entgegengesteuert werden. Als erste Maßnahme wurde ein Jugendwart gewählt, der Ansprechpartner für die Jugendlichen sein sollte. Auch zwei Elternteile erklärten sich bereit, bei der Jugendarbeit im Verein verstärkt mitzuarbeiten. Ein weiteres Problem zeichnete sich ab, da den Jugendlichen die Motivation fehlte auf Schützenfesten mitzuspielen. Doch gerade durch die „Straßenmusik“ hat sich der Verein damals einen Namen gemacht und jetzt mußte ernsthaft überlegt werden, ob diese Art von Musik noch weiter zu machen wäre. Schließlich konnte man dem Nachwuchs klar machen, daß die „Straßenmusik“ genau so unentbehrlich war wie die Konzertmusik.
Im Jahr 1992 konnten wir auf eine stattliche Anzahl von Jugendlichen blicken, die auf verschiedenen Instrumenten angelernt werden. Die 15 Jugendlichen wurden alle durch unseren Dirigenten bzw Kornelius Vievers ausgebildet. Diesen beiden ist es zu verdanken, daß unser Nachwuchs rasch Fortschritte machte und mit viel Spaß bei der Sache war. Aber trotz allem Engagement der beiden Ausbilder traten immer wieder Jugendliche aus. Das veranlaßte den Verein dazu, eine große Werbekampagne und einen „Tag der offenen Tür“ zu veranstalten. Diese Kampagne war ein großer Erfolg und es meldeten sich 20 neue Schüler an. Diese große Anzahl zusätzlicher Schüler konnte aber vom Verein alleine nicht mehr ausgebildet werden. Man beschloß also, sich dem Volksmusikerbund anzuschließen. Dies geschah im September 1996. Der Volksmusikerbund übernahm die Ausbildung der Jugendlichen. Dies geschieht dadurch, bedingt durch unsere große Anzahl Jugendlicher, daß der Volksmusikerbund Lehrer zu uns ins Pfarrheim schickt. Diese Lehrer, zur Zeit sind es vier, bilden die einzelnen Instrumentengruppen aus. Die Fortschritte werden alle 2 Jahre schriftlich und praktisch geprüft. Die praktische Prüfung findet vor einer Jury statt und die Kinder bekommen nach bestandener Prüfung ein Diplom, daß sogar auf Bundesebene anerkannt wird. Durch diese Zusammenarbeit können wir dem Nachwuchs eine optimale Ausbildung anbieten.
Erste Früchte zeigte diese Zusammenarbeit schon am 1. Juni 1997. Der Instrumentalverein Oberkrüchten hatte die Organisation eines Vorspieltages für alle Schüler des Volksmusikerbundes der näheren Umgebung übernommen. Unsere Schüler standen zum erstenmal auf einer Bühne und präsentierten ihr bis dahin Gelerntes. Viele Eltern und Angehörige waren an diesem Tag anwesend, um dem Nachwuchs den ersten Applaus zu spendieren und der Musikverein beendete diesen für viele Schüler großen Tag mit einem kleinen Konzert.

Am 13.07.1997 kam es zur Schließung unseres Vereinslokals Wynands, bei dem wir uns mit einem kleinen musikalischen Frühschoppen bedankten. Seit dem ist uns der Probenraum im Pfarrheim noch mehr ein zu Hause geworden. Und Dank der guten Kameradschaft wird jetzt oftmals bis in den frühen Morgen diskutiert und gefachsimpelt.

Im Jahr 1999 feierte der Instrumentverein ein großes Jubiläum zum 50 jährigen Bestehen. Am Freitag, den 11. Juni begann das Jubiläum mit einem Festbankett in der Begegungsstätte Niederkrüchten. Nach einigen obilgatorischen Reden wurde kurz die Vereinsgeschichte der lezten 50 Jahren zusammengefaßt. Dann folgten die Ehrungen. 2 Mitglieder haben dem Verein seit der Gründung die Treue gehalten, dies sind Franz-Josef Meyers und Laurenz Gisbertz. Für besondere Verdienste für den Verein wurden ebenfalls Klaus Leven (u.a. Jugendförderung) und Kornelius Vivers (Kapellmeister und Jugendförderung) ausgezeichtet. Anschließend folgte der musikalische Teil des Abend. Der befreundete Musikverein EEM Wessem (dort ist auch unserer Dirigent Harry Adams Mitglied) ließ es sich nicht nehmen für uns ein kleines Konzert zu geben. Als Höhepunkt führte wir 2 Musikstücke gemeinsam auf. Dafür musste extra die Bühne erweitert werden, damit alle Musiker Platz fanden. Zum Ausklang und gemütlichen Teil des Abends spielte die Maaskapel noch zum Tanz auf.
Am Samstagabend wurde die Jubiläumsfeier mit einem „Kölschen Abend“ fortgesetzt. Zum Höhepunkt des Abends hatten wir eigens „De Räuber“ aus Köln engagiert. Das Rahmenprogramm wurde von den „Schääl Mötze“ gestaltet. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg und die Begegnungsstätte war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Sonntagmorgen begann mit einer Kranzniederlegung (für unseren Vereinsgründer Ohme Karl) und einer Messe in der Pfarrkirche St. Martin Oberkrüchten. Darauf fand ein großer Festumzug durch den Ort mit 22 teilnehmenden Vereinen (darunter alle befreundeten Musikvereine und Trommlerchöre, die Schützenbruderschaften aus dem Bezirk, Sportverein, Kirchenchor und Feuerwehr) statt. Dann folgte noch ein musikalischer Frühschoppen und am Nachmittag ein Kuchenbuffet. Es war ein sehr gelungenes und harmonisches Fest.